Die Überverantwortliche Warum innere Wachsamkeit dich erschöpft
- petersen1962

- 55false04 GMT+0000 (Coordinated Universal Time)
- 2 Min. Lesezeit

Wenn du nie wirklich abschaltest
Es ist dieser Moment am Abend.
Das Licht wird weicher. Die Geräusche draußen werden weniger.
Du sitzt.
Eigentlich ist alles getan.
Und doch ist da kein wirkliches Ankommen.
Ein leises Ziehen in den Schultern.
Ein inneres Sortieren.
Ein Mitdenken, das nicht aufhört.
Nicht, weil noch etwas zu tun ist.
Sondern weil dein System es so gewohnt ist.
Das Muster dahinter
Du nimmst viel wahr.
Stimmungen.
Unausgesprochene Spannungen.
Feine Veränderungen im Tonfall.
Du reagierst schnell.
Gleichst aus.
Hältst zusammen.
Nicht dramatisch.
Eher selbstverständlich.
Überverantwortung sieht nicht aus wie Last. Sie sieht aus wie Reife.
Wie Kompetenz.
Wie emotionale Stärke.
Doch sie bedeutet auch:
Du bleibst innerlich wach,selbst wenn alles ruhig ist.
Wenn Zuständigkeit zur Identität wird
Vielleicht warst du früh die Vernünftige.
Die Belastbare.
Die, die keinen Aufwand macht.
Vielleicht hast du gelernt, dass es sicher ist, stark zu sein.
Und dass Bedürfnisse warten können.
Lange Zeit hat das funktioniert.
Doch irgendwann verschiebt sich etwas.
Die Kinder werden erwachsen.
Aufgaben verändern sich.
Der Alltag wird leiser.
Und trotzdem bleibst du innerlich zuständig.
Für ihre Stimmung.
Für den Frieden.
Für das „Ganze“.
Nicht, weil jemand es verlangt.
Sondern weil du dich so definiert hast.
Wer bist du, wenn du nicht mehr hältst?
Die stille Daueranspannung
Viele Frauen ruhen,doch sie entspannen nicht.
Der Körper liegt.
Das Nervensystem bleibt wach.
Der Kopf prüft noch einmal: Ist alles geklärt?
Hat jemand etwas gebraucht?
Habe ich etwas übersehen?
Diese Form von Wachsamkeit ist leise.
Aber sie kostet.
Nicht auf einmal. Sondern jeden Tag ein wenig.
Bis Müdigkeit entsteht,die nicht nur körperlich ist.
Wenn Loslassen ungewohnt wird
Verantwortung zurückzugeben fühlt sich nicht sofort leicht an.
Es fühlt sich erst einmal fremd an.
Fast wie Nachlässigkeit.
Doch vielleicht ist es nichts davon.
Vielleicht ist es nur ungewohnt, nicht einzugreifen.
Nicht sofort zu regulieren.
Nicht alles im Blick zu behalten.
Vielleicht ist es ein Umlernen.
Nicht alles gehört in deine Hände.
Nicht jede Stimmung braucht deine Ordnung. Nicht jedes Problem deine Lösung.
Und nicht jede Stille ist eine Lücke, die du füllen musst.
Ein anderer Abend
Vielleicht musst du heute nichts verändern.
Kein neues Prinzip lernen.
Keinen Plan machen.
Vielleicht reicht es, für einen Moment nicht mitzudenken.
Nicht vorzufühlen. Nicht vorauszuregeln.
Nur zu sitzen.
Zu spüren, wie sich deine Schultern anfühlen, wenn sie nichts halten.
Wie dein Atem geht, wenn er nicht kontrolliert.
Vielleicht ist genau dort der Anfang von etwas Ruhigerem.
Nicht größer.
Nicht besser.
Nur ehrlicher.
Und vielleicht bleibt dieser Abend ein kleines Stück weiter offen.
In Verbundenheit, Heike




Kommentare